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Marktwirtschaft am Ende?
 
Pirmin Bischof, Nationalrat (SO)

«So, das längt für üs. Die angere müesse au no öppis ha», sagte meine Grossmutter jeweils bestimmt, wenn wir Kinder beim Kirschenpflücken im Schwarzbubenland voll im Element waren und uns anschickten, nach dem gefüllten ersten Chratte noch einen zweiten umzuschnallen. «Es längt.»

Was würde wohl Grossmutter sagen, wenn sie lesen würde, dass die Geschäftsleitung der UBS sich für 2009 einen Bonus, eine Art Gratifikation, von über 50 Millionen Franken auszahlen lässt und die Bank im gleichen Jahr fast drei Milliarden Franken Verlust gemacht hat? Oder dass schon einige Jahre zuvor die Herren Blocher, Ebner und Sjöstrand sich laut NZZ in der sogenannten «Pharma-Vision», in der Tausende Kleinanleger ihr Geld angelegt hatten, ein Verwaltungsratshonorar von 67 Mio. Franken auszahlen liessen, während Tausende Kleinanleger einen Grossteil ihres Ersparten verloren haben, als die «Visionen» später liquidiert wurden?

Einige Spitzenvertreter der freien Marktwirtschaft haben sich einen Selbstbedienungsladen gezimmert. Sie lassen sich in einem Mass entlöhnen, wie es noch vor wenigen Jahren undenkbar war. Als Pharma-Vision-Verwaltungsratspräsident Christoph Blocher sich laut NZZ allein im Jahr 1997 ein Honorar von 6 800 000 Franken auszahlen liess, gab es in der Schweiz erst zwölf Firmen, die pro Verwaltungsrat über 100 000 Franken auszahlten.

Wie sollen Volk und Politik reagieren? Bekommt der kommunistische Vordenker Karl Marx vielleicht doch noch recht: Richtet die Marktwirtschaft sich selbst zu Grunde? Bei nüchterner Betrachtung lassen sich zwei Dinge feststellen: Erstens gab es in den letzten 15 Jahren in einigen Grossfirmen Spitzenlöhne, Boni und Abgangsentschädigungen, die jedes Mass vermissen lassen. Aufgeweckt durch die Abzocker-Initiative von Thomas Minder beschloss der Nationalrat letzte Woche, dem Volk griffige Massnahmen für die 300 börsenkotierten Firmen der Schweiz zu unterbreiten: Verwaltungsräte dürfen ihre Löhne nicht mehr selber bestimmen. Für die Manager erstellt die Generalversammlung ein Lohnreglement, an das der Verwaltungsrat gebunden ist. Einstiegs- und Abgangsentschädigungen sollen grundsätzlich verboten werden. Im Gegensatz zur Initiative stülpt aber nicht der Staat jeder der 300 Firmen die gleiche «Zwangsjacke» über. Vielmehr können die Aktionäre jeder Firma das für sie passende Kleid schneidern.

Zweitens gilt aber ebenso klar: Von den 300 kotierten Firmen hat nur ein halbes Dutzend den Boden der Realität verloren. Das Rückgrat der solothurnischen Wirtschaft bilden aber Tausende kleine und mittlere Unternehmen. Sie haben die gegenwärtige Krise nicht verursacht. Sie kämpfen darum, trotz weggebrochenen Aufträgen die Arbeitsplätze zu erhalten. Bei ihnen muss die Politik keine Abzocker suchen. Sie tun tagtäglich, was unsere schwarzbübische Grossmutter uns Kinder geheissen hat: «Liefere statt laafere!».
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